Frieden

 

Die Maria-Hilf-Kapelle in der Pfarrkirche St. Hubertus Schmidt

Von der Krieger-Kapelle zum Raum des Friedens“

 

Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen? Die den US-Soldaten gewidmete Befreiungstafel hat inzwischen ihren dauerhaften Platz in der Maria-Hilf-Kapelle gefunden. Im Schmidter Volksmund ist diese Andachtsnische auch als Krieger-Kapelle bekannt. Diese recht martialisch anmutende Bezeichnung soll sich künftig nicht nur begrifflich, sondern auch inhaltlich in einen Raum des Friedens wandeln. Grausamkeit und Brutalität in kaum vorstellbarem Ausmaß, resultierend aus dem rassenideologisch motivierten Ziel, ganze Bevölkerungsgruppen auszurotten, das war der Zweite Weltkrieg. Frieden hingegen bedeutet: Versöhnung, Vergebung und Achtung der Menschenwürde.

Der theologische Ursprung des Vesperbilds in der Maria-Hilf-Kapelle (Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu) ist in der verstärkten Hinwendung zum Leiden Christi am Kreuz und des Mitleidens seiner Mutter mit ihrem Sohn zu sehen. Als „Königin des Friedens“ lädt Maria zugleich dazu ein, immer wieder neu Schritte des Friedens zu wagen. Solche, wenn auch kleinen Schritte, möchten die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde St. Hubertus gehen.

Im Wissen um die regionalen historischen Ereignisse hat der Bischof von Aachen das Ansinnen der Kirchengemeinde, die Pfarrkirche St. Hubertuszu einer transnationalen (1) Friedenskirche auszugestalten, als „innovatives Pastoralprojekt“ anerkannt und besondere Fördergelder bereit- bzw. in Aussicht gestellt. Bei der Ausrichtung der europäischen Wanderausstellung „Routes of Liberation“ konnte die Kirchengemeinde erstmals eine nicht unerhebliche Sonderförderung (9.000 €) in Anspruch nehmen.

Die Pfarre möchte sich aber nicht auf bisherigen Lorbeeren ausruhen, sondern auch in Zukunft friedenspolitisch aktiv werden. So hat der Kirchenvorstand in Abstimmung mit dem Rat der GdG Heimbach/Nideggen inzwischen einen zweiten Zuschussantrag an das Bistum Aachen gestellt. Fördergegenstand ist die Durchführung einer Begleitveranstaltung zur zeithistorischen Ausstellung „verschleppt– verhungert – verscharrt“. Die Dokumentation über das schlimme Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener ist bereits seit längerem im Kirchengebäude zusehen. Sie hat - vor allem in Fachkreisen - großen Zuspruch erhalten. Die Fördergelder des Bistums sollen weiterhin eine Erinnerungstafel finanzieren, die sowjetischen Kriegsgefangenen gewidmet ist. Das Original aus einer früheren Gräberstätte im Waldgebiet des Buhlerts gilt seit vielen Jahren als verschollen. In den nächsten Monaten wird das Bischöfliche Generalvikariat über die Bewilligung der beantragten Gelder entscheiden. Danach folgen weitere Informationen an die Pfarrangehörigen, insbesondere zum Zeitpunkt und Inhalt einer offiziellen Gedenkfeier in Anwesenheit internationaler Gäste.

Weitere förderwürdige Maßnahmen befinden sich derzeit in Planung.

DER KIRCHENVORSTAND

(1) In der Geschichtswissenschaft bezeichnet transnationale Geschichte eine Forschungsperspektive, bei der die Perspektive über die national staatlich fixierte und begrenzte Geschichtsdeutung einer Nationalgeschichte hinausgeht.