Die folgende Chronik ist noch nicht vollständig. Aber vielleicht schon einmal lesenswert.... 

Kirchengeschichte  nach Wilhelm Schleicher (+) 

 

Bevor über die zweihundertjährige kirchengeschichtliche Entwicklung in dem heutigen weit verzweigten Pfarrbezirk Schmidt berichtet werden soll, einige kurze aufklärende Angaben über die damalige Besiedlung in Schmidt und Umgebung.

Während die umliegenden Burgstädte Monschau, Nideggen und Heimbach schon um das 10.und 12. Jahrhundert gegründet wurden, finden wir die um Schmidt liegenden Orte mit der Endsilbe – scheidt erst einigehundert Jahre später erstmalig erwähnt. Die Gründungszeit des Ortes Schmidt selbst dürfte wohl erst in die Zeit um das Jahr 1600 fallen, als in dieser Zeit mit der Eisenindustrie begonnen wurde. In dieser Zeit entstand auch der im nahen Kalltal so idyllisch liegende Ort Simonskall und später im Zusammenhang mit der Eisenerzverarbeitung ebenfalls im Kalltal liegende Ort Zweifallshammer. Die Ansiedlung Froitscheidt finden wir erstmalig erwähnt im Jahre 1351 als Vroinscheid, Eschauel im Rurtal seit den 30ger Jahren im Rursee verschwunden, im Jahre 1509, Kommerscheidt 1550 und Harscheidt im Jahre 1554. In Dürscheid, etwa 500 m östlich vom  heutigen Scheidtbaum, stand schon nach urkundlichen Überlieferungen im Jahre 1487 ein Hof, der durch Kriegswirren um die Mitte des 17. Jahrhunderts zerstört wurde. Es gibt dort heute noch den Flurnamen Damiansweiher. Die Siedlung im Neuenhof auf dem Buschfeld, von der heute noch Umrisse vom Fundament zu sehen sind, wurde um 1680 abgebrochen und das Holz teilweise beim Neubau in Geisief vor Froitscheidt verwendet. Genaue Zeugen von älteren Häusern  in Schmidt und Umgebung waren die jeweiligen Inschriften, wie ich sie vor dem 2. Weltkrieg noch so zahlreich registrieren konnte. Nur wenige davon werden den Krieg schadlos überstanden haben.

An Resten von römischen Siedlungen in hiesiger Gegend wurden ab 1972 gefunden im Buhlert, an der Barstkaul vor Kommerscheidt, am Geisifbei Froitscheidt und am Damiansweiher.

Schon seit der Frühzeit des Mittelalters wird über den Schmidter Höhenzug, einem weitgestreckten, nach Osten leicht abfallenden Bergrücken zwischen Rur und Kall, etwa 450 bis 490 m über NN gelegen, zumindest eine Straße als Verbindung von Köln über Nideggen, Schmidt und weiter ins Monschauer Land bestanden haben.Ebenso wird über die Schmidter Höhe ein Weg zwischen Heimbach und Monschau bestanden haben. Die heutigen Straßen über Schmidt nach Nideggen und Heimbach wurden um 1780 erbaut, erst später erfolgte ein zweiter Ausbau.

Da nun in Schmidt selbst vor Anno 1600 kein Haus erwähnt wurde, ist anzunehmen, daß die ursprüngliche Verbindungsstraße westlich vorbei führte, von Nideggen über Harscheidt, dann nach Geisief, Barstkaul und weiter in Richtung Monschau. Ob die früheste Straße von Schmidt aus in Richtung Heimbach die Siedlungen in Dürscheidt und am Neuenhof ansteuerte, ist nicht gewiss.

Die ersten Siedlungen im frühen Mittelalter finden wir zu meist an Stellen mit fruchtbaren Böden und wettergeschützter Lage. Die älteren Schmidter erinnern sich noch an die ältesten Höfe um Schmidt, den Breuers Hof oberhalb der Kirche, Hof Lauterbach in Froitscheidt, die Gehöfte Offermannn (1691) und Hof Löhrer in Harscheidt aus dem Jahre 1683 und die alten Höfe im ehemaligen Eschauel. Aber auch in Kommerscheidt gab es vor dem letzten Weltkrieg noch einige ältere Fachwerkhäuser aus der Zeit nach 1600.

Noch um die Zeit des 13. Jahrhunderts gehörte ein großer Teil des späteren Dürener Kreisgebietes zum Amt Monjoie, so  das ganze Gebiet um Schmidt bis ans Kalltal mit Zerkall, Hetzingen und nach Abenden zu. In den fiskalischen Waldungen von Abenden nach Schmidt finden wir heute noch die so genannte Conzenstraße, auf der nach Angaben der älteren Leute die Abendener Gläubigen zur Kirche nach Conzen bei Monschau gezogen seien. Auch der Schmidter Bezirk gehörte ursprünglich zur Mutterkirche Conzen, später nach Simmerath, bis im Jahre 1684 in Schmidt ein eigenes, wenn auch kleines, Gotteshaus erbaut wurde.

In diesem Zusammenhang soll noch erwähnt werden, daß um 1610 bis 1620 die damaligen Reformierten in Zweifall und Kommerscheidt eine kleine Predigergemeinde hatten. Hierüber fand ich in den 30ger Jahren im evangelischen Pfarrarchiv in Gemünd noch einige Vor- und Familiennamen mit den Daten aus obiger Zeit. Hier wird unter anderem ein Täufling angegeben, dessen Vater der Simon Kremer in Simonskall als Wirkmeister ist. Kremer hatte den Betrieb von Schobinger übernommen. So ist das heutige Simonskall nach Simon Kremer benannt. Von den in Gemünd aufgeführten Familiennamen, wie Hutmacher, Nießen, und Nelles sind bis heute noch in Schmidter halten. Es wird auch ein Meyhauseß Hauff (?) (Hof) genannt. Es könnte die spätere Mestrenger Mühle gewesen sein.

Nun sei noch bemerkt, daß die katholische Bevölkerung in der damaligen Zeit nicht ihren  so frei und offen ihren Glauben vor der Öffentlichkeit bekunden konnte. In vielen einsamen Weiler und Gehöften gab es eine kleine Hauskapelle, in denen man sich im Stillen zu Gottesdiensten versammelte. Die jeweiligen Zelebranten, die aus der nähren Nachbarschaft kamen, kleideten sich in Zivil, umso als Geistlicher unerkannt zu bleiben. Wir kennen aus unserer Jugendzeit noch einige solcher Hauskapellen, die leider durch den 2.Weltkrieg zerstört wurden. Als sich die Katholiken dann später immer besser behaupten konnten, begannen die Bewohner von Schmidt, Kommerscheidt, Harscheidt und Froitscheidt, sicher auch mit Unterstützung der echten Christen in Eschauel im Jahre 1684 im <Kleinen Dürscheid> , ein Flurname in der Schmidter Gemarkung zwischen Heldchen und Harscheidt, das Steinmaterial in Hand- und Spanndienst für den Kirchenneubau zu brechen und anzufahren. Das Grundstück für das erste Schmidter Gotteshaus an dieser zentralen Stelle stiftetet ein gewisser Herr Naas aus Kommerscheidt. Heute noch gilt ob der vielen Stiftungen Kommerscheidts das uralte Privileg für die Kommerscheidter Jungmännerwelt, bei der Fronleichnamsprozession den Baldachin und die Kirchenfahnen beim Aus- und Einzug in die Kirche zu tragen.(Anmerkung: Leider geschieht dies heute im Jahre 2013 schon seit 10 Jahren nicht mehr.)

 

Die Grundsteinlegung zur ersten Kirche.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Mai 1684 durch den Mauermeister Vanusaus Reifferscheid bei Schleiden. Durch den Hochwürdigen Herren Prälaten Firmenich vom Kloster Steinfeld wurde die erste Schmidter Kirche dem Heiligen Hubertus geweiht, und zwar am 8. September 1685 am Feste Maria Geburt feierlich eingesegnet. Zu dem Festtag waren als Ehrengäste erschienen der Amtsmann Freiherr Philliph Wilhelm von Harff mit Gemahlin, der Prior von Reichenstein bei Monschau und 15 Pfarrgeistliche aus den Nachbarorten. Zu Ehren der Gäste wurde im Hause Huppertz in Kommerscheidt ein Festessen gegeben. Das Haus Huppertz stand in den >Höff<. Dort standen auch die Häuser der früheren Kommerscheidter Wilhelm Stollenwerk (Aretz) und Matthias Marx.

 Die erste Schmidter Kirche war bedeutend kleiner als die im vergangenen Jahrhundert erbaute Kirche mit dem stolzen schlanken Turm, der weit über die Eifelberge ins Land grüßte. Ältere Schmidter haben mir früher aus eigenen Erlebnissen die primitive erste Kirche geschildert, die mehr eine größere Kapelle gewesen sein dürfte.Für die damaligen Verhältnisse und Bevölkerungsstand werden unsere Vorfahren aber sicher auf dieses kleine Gotteshaus stolz gewesen sein. Es blieb ihnen der weite Weg nach Simmerath erspart. Im Jahre 1696 wird Peter Kesseler als Rektor in Schmidt erwähnt. Er stammte aus Monschau. Peter Kesseler starb in Schmidt am 6. Februar 1702. Im selben Jahr finden wir dann in der Kirchengeschichte einen Geistlichen namens Fabritius Reinerus als Rektor an der Kapellen <Zur Schmidten>, 1703 wird ein Vizepastor Breusser erwähnt. Er kam aus der Diözese Lüttich und war am 4. März 1701 auf Vorschlag der Gemeinde und des Pastors der Mutterkirche Simmerath von der erzbischöflichen Behörde in Schmidt angestellt worden.

In dieser Zeit finden wir in der <Chronik> als Kirchenmeister Dederich (Dietrich) Lauterbach, Hubert Stolz als Scheffe und Johann Stollenwerk als Küster, sehr wahrscheinlich ein Urvater der Küsterfamilie Stollenwerk auf dem <Barrier> (Pareer) in Schmidt, die bis in die 1920ger Jahre den Küsterdienst an der Schmidter Pfarrkirche ausgeführt haben.

Im  Jahre 1710 wurden in Schmidt fast alle Meßgeräte gestohlen. Damals wirkte in Schmidt der Pastor Bonaventura Pütz.

Im Jahre 1721 unternahm der Kölner Generalvikar Johann Arnold de Heux (oder Reux) eine Visitationsreise durch das Monschauer Land. Er besuchte die Kirche <Zur Schmiedten> am 20 Juni 1721. Bei dieser Gelegenheit bitten die Vertreter von Schmidt und Umgebung um Anstellung eines Geistlichen in Schmidt. In einem dem Visitationsbericht beigefügten Schreiben werden die Rechte und Pflichten angeführt, die dem neuen Rektor im Einvernehmen mit dem Pastor in Simmerath eingeräumt werden sollen.

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Im Jahre 1761 wird dann in Schmidt ein Pastor Johann Wilhelm Klee angeführt, dessen im Jahre 1767 gestiftete Monstranz am 15. April1920 nebst zwei neuen Ziborien aus der Schmidter Pfarrkirche gestohlen wurden. 1771 wird als Pfarrer Quirin Stolz erwähnt, gebürtig aus dem Gut Bremental bei Heimbach. Als dessen Nachfolger kam Johann Jakob Hausmann von 1818 bis 1840 an die Pfarre Schmidt. Wir erinnern uns noch gut, daß auch sein Name früher mit vielen anderen Namen in der sonntäglichen Nachmittagsandacht zu Ehren einer gewissen alten Bruderschaftsstiftung genannt wurde. Es folgte ab 1840 Pastor Johann Krebben und ab 1847 Pfarrer Heinrich Josef Beumers, der sich gleich gemeinsam mit Kirchenvorstand und Bürgermeister für einen Kirchenneubau in Schmidt einsetzte.

Am 13. April konnte der beauftragte Baumeister Schmitz aus Jülich nachdem Muster der Kirche in Schleiden bei Jülich einen Plan für den Schmidter Kirchenneubau vorlegen, der dann am 11. August 1865 von der Königlichen Regierung in Aachen genehmigt wurde. Die erzbischöfliche Genehmigung für den Bau erfolgte am 20. Oktober 1865. Wegen Baufälligkeit der alten Kirche beschloß der Schmidter Gemeinderat dann am 6. Februar 1866 die öffentliche Verdingung der Bauarbeiten, die dann dem Bauunternehmer Friedrich Kranz zu St. Jobsin Aachen übertragen wurden.

 

        Der Bau der zweiten Schmidter Kirche

Nach dem dann die Finanzierung des Bauprojektes soweit gesichert in einer Gesamthöhe von 16738 Thaler, wovon 9498 Thaler als Anleihe von der Rheinischen Provinzialkasse beschafft wurden, konnte mit der weiteren Planung begonnen werden. Die Beträge für die jährlich aufzubringenden Zinsen sollten aus dem Ertrag des Gemeindevermögens getilgt werden, und es wurde von der hohen Staatsregierung eine entsprechende Unterstützung zugesagt und eine Hauskollekte genehmigt.

Unter reger Beteiligung der Schmidter Bevölkerung wurde dann am 19. März 1866 mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen. Am 21. März 1866 erfolgte dann die Einweihung einer Notkirche in der  ehemaligen großen Mädchenschule im Oberdorf.

Bis zum 19. April hatte der Bauunternehmer Kranz die Fundamente für die neue Kirche am selben Platz, wo die erste Schmidter Kirche gestanden hatte, allerdings in größerem Rahmen abgesteckt. Die Grundsteinlegung erfolgte dann am 5. Juni 1866 durch den örtlichen Pfarrer Beumers, worüber eine besondere auf Pergament geschriebene Urkunde aufgenommen und mit dieser geschichtlichen Darstellung des Bauprojektes vorgelesen und von den unten Genannten eigenhändig unterschrieben wurde. Die Urkunde wurde in den Grundstein eingelassen, der hinter dem Hochaltar drei Fuß über dem Fußbodenzwischen den beiden mittelsten Strebpfeilern des Chorraumes in die Mauer innenseitig und zur stets lebendigen Erinnerung den Zuschauern sichtbar gehalten werden soll. Die Verhandlung in dreifacher Ausführung auf Pergament wurde in einem Exemplar mit der Urkunde in den Grundstein eingefügt.

Die zweite Kirche in Schmidt wurde unter dem Pfarrer Heinrich Josef Beumers erbaut. Er wurde am 25. Sept. 1803 in Scheivendahl geboren,am 14. April 1830 zum Priester geweiht und wirkte als Kaplan eineinhalb Jahre in Müddersheim, 11 Jahre in Saeffeln bei Heinsberg und vier Jahre in Duisdorf bei Bonn. Am 6. Januar 1847 wurde er als Pfarrer nach Schmidt berufen. Für diese Pfarre lebte der hochwürdige Herr 41 Jahre lang. Am 14. April 1880 wurde sein goldenes Priesterjubiläum auf das Feierlichste begangen. Das folgende Lied hat er zu diesem Zweck selbst gedichtet. Dasselbe wurde mir mündlich wieder gegeben durch Frau Sophia Lauscher geb. Stollenwerk.

 

Lied hier einfügen

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Herr Pastor Beumers auch selbst manche Stunde am Kirchenneubau geschaufelt hat.

Er wurde 1888 auf dem Friedhof in Schmidt im Mittelgang begraben. Die Schmidter setzten ihm zum bleibenden Andenken einen Grabstein mit der Inschrift in goldenen Lettern:

 

Hier ruht der hochwürdige Herr

Pfarrer Heinrich Josef Beumers

Jubilarpriester,geb. den 25. 9. 1803

gest.19. 6. 1888 nach segensreicher

Wirksamkeitin dieser Gemeinde.

  R.I.P.

 

Sein Grabstein steht heute an der Ostseite unserer Kirche am Anfang der Nideggener Straße.

 

 

Als Nachfolger des Pastors Beumers kam Pastor  Johann Hubert Schündelenvon 1888 bis 1904, der dann nach Buir versetzt wurde, wo er am 26.August 1927 im Altr von 81 Jahren verschied.

Von1904 an war Pastor Wilhelm Meising in Schmidt, der sich auch in den zwei Jahrzehnten große Verdienste erworben um das Wohl der Schmidter Pfarrgemeinde. 1909 wurde die Notkirche in Steckenborn gekauft und im Wege des Hand- und Spanndienstes nach Schmidt transportiert und hier als Pfarrsaal aufgebaut. Öfters wurde dieser Saal durch Abhaltung von Versammlungen und sonstigen kirchlichen Veranstaltungen in Anspruch genommen. Unter Pastor Meising wurden in Schmidt die Jünglings- und Jungfrauenkongegrationen gegründet. Eine besonders schwere Aufgabe war es für den hochwürdigen Herrn Pastor während des 1. Weltkrieges die vielen Anliegen der einzelnen Pfarrkinder zu erledigen. Pastor Meising war geboren am 7. Juli 1872 in Jüchen, wurde am 2. Juli 1896 in Köln zum Priester geweiht, wirkte zuerst in Flamersheim, dann in Velbert und Agatheberg und kam dann nach Schmidt. Unerwartet in aller Stille verließ Pastor Meising 1921 Schmidt und übernahm die Pfarre Höngen im Kreis Erkelenz, wo er 1946 das goldene Priesterjubiläum feiern konnte und am 20. März 1947 verschied. Auch er wird stets in guter Erinnerung der Schmidter Bevölkerung bleiben. Während seiner Tätigkeit in Höngen hat mancher Schmidter dem hochwürdigen Herrn einen Besuch abgestattet, und er hörte immer gerne noch die Schmidter in ihrem Monschauer Platt reden.

Dann kam Pastor Wichelmann nach Schmidt am 10. März 1920. Unter Wichelmann konnten im Jahre 1924 anstelle der im 1. Weltkrieg abgelieferten Kirchenglocken wieder drei neue Glocken angeschafft werden. Die neuen Glocken wurden in Gescher/Westfalen  gegossen von der Firma Petit und Gebr. Edelbrock. Domchordirektor Cortner in Münster bezeichnetet dieses Geläute der drei neuen Glocken als ein hervorragendes Erzeugnis der Glockengießerkunst. Die Glocken hießen Hubertus, Maria und Michael, Johannes Baptistae und klangen in f, as und b.  

Die Marienglocke sowie die Hubertusglocke, die beiden größten Glocken mußten dann wieder im 2. Weltkrieg am 17. März 1942 abgegeben werden, und die kleine Johannesglocke verblieb der Schmidter Kirche noch, überlebte den Krieg bis zur Sprengung der Kirche 1944, wo sie aus dem Turm stürzte, dann nach dem Krieg gefunden und in der Schmidter Notkirche wieder zum Läuten gebracht wurde. Von den abgegebenen Glocken war bis dahin keiner das Glück beschieden, unversehrt die Heimat wiederzusehen, was so vielen anderen deutschen Kriegsglocken 1947 geglückt ist.

Bei der Glockeneinweihung am 1. Dezember 1924 übernahmen folgende Herren die Patenschaft: Bürgermeister Rombach, Franz Josef Frings als 1.Beigeordneter und als 2. Vorsitzender des Kirchenvorstandes, Landwirt Josef Hilgers aus Eschauel.

Pfarrer Theodor Wichelmann konnte am 18. März 1930 das silberne Priesterjubiläum feiern unter Anteilnahme der gesamten Pfarrgemeinde, die aus diesem Anlass Kirche und Pastorat festlichgeschmückt hatte. Während des 2. Weltkrieges war Pastor Wichelmann auch evakuiert, konnte nach seiner Rückkehr infolge Krankheit die Pfarre Schmidt aber nicht wieder übernehmen.

 

Am 31. Mai 1945 kam Kaplan Jordan nach Schmidt. Er sorgte für die Beschaffung einer Notkirche. Jetzt mußten die Schmidter nicht mehrweit zu den auswärtigen Kirchen zum Gottesdienst pilgern. Auch wurde der Gottesdienst nun nicht mehr in Gaststätten abgehalten. (Anm.:Kaplan Jordan segnete auch die noch überall in ganz Schmidt vorgefundenen Soldatengräber ein.)  

 

 

Am 11. Februar 1946 verließ Kaplan Jordan Schmidt. An seine Stelle kam am 25. März 1946 Pater Junge, der bis zum 15. Mai 1947 in Schmidt amtierte. Am 18. Mai 1947 wurde Pastor Josef Bayer als neuer Pfarrer für Schmidt feierlich eingeführt.

Dank seiner Initiative in echter Zusammenarbeit und bester Unterstützung der Schmidter Bevölkerung, die inzwischen zum größten Teil die gewaltigen Kriegstrümmer ihrer zerstörten Häuser weggeräumt und Kraft ihrer fleißigen Hand unter sehr schwierigen Umständen wieder neue Wohnungen errichtet hatten, konnte  dann mit dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Pfarrkirche begonnen werden. Zunächst mußten auch hier die am Boden liegenden Steinmassen weggeräumt werden. Aber mit größter Sorge und echter Tatkraft ging man hier ans Werk. Es bedurfte dann umfangreicher Besprechungen über den Standort des neuen Gotteshauses. Schließlich hielt man doch die alte  Baustelle als zentraler Mittelpunkt für die neue Kirche als den geeigneten Standort. Beispiellosen Ehrendienst leisteten dieSchmidter unentgeltlich bei den Aufräumungsarbeiten der Ruinenstätte der zerstörten Kirche. Auch beim Anfahren von Baumaterial leisteten die Fuhrmänner ehrenamtliche Dienste. Es kamen beträchtliche Beträge ein durch erfreuliche Spenden. Die Gläubigen sammelten in der Kirche, der Pfarrer selbst hielt manchem Besucher in Schmidt den Hut zu einer Opfergabe entgegen. Und so ging es dann zügig mit dem Wiederaufbau weiter.  

Der sonntägliche Gottesdienst, der nach 1945 in örtlichen Lokalen abgehalten  wurde, konnte schließlich in einer beschafften Notkirche am Friedhofsweg gefeiert werden.  

 

Hier gab es dann auch eine schöne erste Feierstunde für die Schmidter am 20. Februar 1949, als eine neue, wenn auch kleine  von der Firma Petit und Gebr. Edelbrock gegossene Glocke durch Dechant Offermann aus Simmerath unter Anteilnahme der Schmidter Gläubigenschar eingeweiht werden konnte. Die klangvolle Glocke hat ein Gewicht von 43 kg und ist auf den Ton B abgestimmt. Ihre Inschrift lautet: „Ich heiße Gabriel. Ich verkünde den Pfarrkindern des hl. Hubertus die Ankunft des KönigsChristus unter der Brotgestalt des Altares und im Kinde bei der hl.Taufe“.

   

Grundsteinlegung im März 1949

 

Am 20. März 1949 erfolgte die Grundsteinlegung für die dritte Pfarrkirche zu Schmidt durch den hochwürdigen Herrn Abt Romund Wolters O.S.B. von einer Benediktinerabtei. 

Die Bauarbeiten nahmen rechte Fortschritte, und so konnte schon am 5.November 1950, dem Patronatsfeste des heiligen Hubertus, das neue schöne Gotteshaus nach feierlicher Konsekration durch den Aachener Weihbischof Hünermann seiner Bestimmung übergeben werden. Pfarrer Josef Bayer und Bürgermeister Matthias Fischer hatten den hohen Kirchengast aus Aachen auf dem Kirchplatz herzlichst empfangen. Zuder großen Einweihungsfeier war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Gläubigen waren auch zahlreiche auswärtige Gäste, insbesondere auch ältere ehemalige Schmidter,  die in dem kriegszerstörten Gotteshaus ihre Jugendzeit bei den Gottesdiensten verbrachten und die heiligen Sakramente empfangen hatten. Nach dem feierlichen Zeremoniell der Konskration begann das erste Festhochamt in der neuen Kirche. Der Schmidter Kirchenchor verschönte den Festgottesdienst mit mehrstimmigen Gesängen.  

Die Predigt hielt Dr. Hünermann. Vor fünf Jahren habe er die Notkirchein Schmidt eingeweiht und freue sich, in so kurzer Zeitspanne nun schon die neu errichtete Kirche einsegnen zu können. Er dankte Pfarrer und Bürgermeister für den schönen Empfang und lobte anerkennend die großen materiellen Opfer der Dorfbevölkerung zum Wiederaufbau ihres neuen Gotteshauses. Er bat die Gläubigen, nicht nur Sonntagschristen zu sein, sondern das echte Christentum auch mit in den Alltag hinein zu nehmen und es ebenfalls in der häuslichen Familie vorbildlich zu praktizieren.  

Es gab dann im Schmidter Schützenhof ein Festessen, an dem rund 150 Gäste teilnahmen, u. a. viele Vertreter von Kirche, Staat und Schule, unter ihnen Dechant Roeben, Oberkreisdirektor Nickels und die Landtagsabgeordnete Maria Flink, die in den 1920ger Jahren längere Zeit an der Schmidter Schule als Lehrerin wirkte. Als ehemaliger Sohn der Gemeinde Schmidt sprach auch der Oberkreisdirektor Friedrich Kurth aus Düren. Friedrich Kurth verstarb am 11. August 1952 in Dürren. Er war der älteste Sohn des ehemaligen  Rektors Josef Kurth.   

Der Pfarrer Bayer gab bekannt, daß die Schmidter 750 Tageswerke leisteten für den Wiederaufbau der Kirche und daß innerhalb von drei Jahren von jedem Haushalt 150,00 DM zugesteuert wurden. Für die damaligen Verhältnisse war dies viel, da ja jede Familie noch viel für die Schäden am eigenen Haushalt aufzubringen hatte. In rund 2000 Tageswerken insgesamt sei ein Großes geleistet worden, wenn auch bis dahin noch 45000,00 DM Schulden verblieben seien.

 

Zum Kirchenneubau schrieb die Tagespresse u.a.:

Die neue Kirche ist schlicht und einfach, der Altar aus Bruchstein mit einer schweren Marmorplatte. Das Mittelschiff mit horizontaler Holzdecke, etwas tiefer gelegt gegenüber dem ehemaligen Gewölbe. Das nach der Ostseite gelegene Chor blieb auf gleicher Höhe. Eine geräumige Empore für den Kirchenchor, aber dort auch noch viele Plätze für übrige Kirchenbesucher. Auch die Seitenkapellen sind schlicht, aber doch schön. Auf einer großen Kriegergedächtnistafel sind die Namen der Opfer beider Weltkriege aus dem Pfarrbezirk eingetragen. Daneben eine Pieta, eine alte Bauernschnitzerei, vielleicht sogar aus der Zeit um 1300. Der Predigtstuhl steht auf ebengleicher Höhe des Hochaltares. Daneben auf einem Sockel die Rosenkranzkönigin...Der Glockenturm ist kurz und spitz, also bedeutedt niedriger als der frühere Kirchturm. Zum Zeichen der früheren Kirche ist auf dem neuen Kirchendach an der Ostseite ein kleiner Hocker aufgebaut. Das gesamte Dach ist mit Schiefer gedeckt. Zwischen Dach und der Innendecke der Kirche ist eine Glaswollschicht eingefügt, die selbst in Verbindung mit der Innenheizung bei strenger Kälte noch eine angenehme Wärme spendet.

Nach zwölfjährigem unermüdlichen aber auch sehr erfolgreichem Wirken in der so kriegszerstörten Gemeinde Schmidt, nahm der Pfarrer Josef Bayer Abschied und zu seinem Nachfolger kam im Jahre 1959 als 15. Pfarrer von Schmidt Pastor Alfons Rangs, dem dann auch noch für viele Jahre umfangreiche Aufbauarbeit im Pfarrbezirk verblieb.

Auch Pfarrer Rangs hat einige Daten zum Bau der Kirche gesammelt. Diese sind hier angeführt.

 Am 15. Mai 1949 konnte durch die Hochherzigkeit vom Bischof von Lüttichin Belgien eine Reliquie des heiligen Hubertus in die Schmidter Kirche eingeholt werden.

Im August 1949 schenkte die Hubertuspfarre in Roetgen ihren alten Kirchenhahn nach Schmidt. Bis zu dieser Zeit war der neue Turmhelm schon soweit beschiefert. Ende 1949 sah es so aus, als ob Schmidt wegen fehlenden Geldmittel nicht weiter bauen könnte. Die Mauerkrone wurde deswegen vorsorglich für die Winterzeit regendicht abgedeckt.Für die Dauer von 24 Monaten wurde ein erheblicher Kredit angeschafft. Dafür wurde die nötige Menge an Holz für das Kirchendach angeschafft. So konnte der Dachstuhl vor dem Winter errichtet und mit Pappe eingedeckt werden. Auch konnte noch vor dem Winter durch Handdienst das Mauerwerk am Turmgebäude ausgefugt werden. So ersparte man Kosten für ein teures Gerüst. Während des Winters 1949/50 konnte dann auch die Kirche mit normalem Glasverglast werden, die Turmfenster verschlossen, der Fußboden mit alten Platten verlegt, sowie die Empore, Altäre und Taufstein aufgebaut werden. Die Fußbodenplatten waren teilweise zusammengebettelt worden.

 Im Sommer 1950 wurde die Kirche verputzt., Bänke beschafft und die Sakristei eingerichtet.

 Die beschädigte Bronzeglocke wurde gegen zwei neue Stahlglocken, Ton Bund As ausgetauscht:

B= Johannes Michael und As = Maria.

 Die Glocken wurden am 29. Oktober 1950 feierlich eingesegnet und am 1.November 1950 zur Stunde der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen und seelischen Aufnahme Mariens in den Himmel zum ersten Mal geläutet.

Am 29. November 1950 konnte das kostbare Triumphkreuz gesegnet werden. Es war angefertigt in uneigennütziger Weise von Kaplan Franz, der hierfür Silber und Edelsteine sammelte.

Die Kriegerkapelle wurde am 1. November 1950 eingeweiht. Vor den in Steingehauenen Namen der vielen Kriegsopfer aus dem Schmidter Kirchspiel wurde eine antike Eichenplastik der schmerzhaften Mutter aufgestellt.

Am Sonntag, dem 5. November 1950 konsekrierte der Weihbischof Dr.Hünermann aus Aachen die neue Kirche und den Hauptaltar zu ehren desheiligen Bischofs und Bekenners Hubertus. Die Kirche war zu der Feierstunde voll besetzt. Das Gotteshaus war soweit ziemlich vollendet, aber die Unkosten noch nicht alle gedeckt. Der Pfarrer Josef Bayer zelebrierte das heilige Messopfer für die lebenden und verstorbenen angehörigen der Pfarre und die Wohltäter des neu aufgebauten Gotteshauses. Im Altar wurden eingesetzt die heiligen Reliquien des alten Hauptaltares St.Laurenzius und Gefährten der heiligen Ursula sowie eines Märtyrers der Thebischen Legion aus Xanten, des heiligen Apostels Matthias. Das Grab der Reliquien befindet sich in dem monolithischen Unterbau des Altares und ist durch die Mensa (Altarplatte) abgedeckt.

Auch Frau Dr. Maria Lüttgenau hat Aufzeichnungen zur Kirchengeschichte gemacht:

Am Aschermittwoch, den 18. 2. 1920 verließ Herr Pastor Meising in der Stille die Pfarre Schmidt, wo er 15 1/2 Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und großem seelsorglichem Geschicke gewirkt hatte, um die Pfarre Höngen im Kreise Heinsberg zu übernehmen. Auf seinen Wunsch hin war von jeglicher Abschiedsfeierlichkeit Abstand genommen. Dem scheidenden Hirten folgten die Gebete der Zurückgebliebenen. Öfters noch fuhren zahlreiche Schmidter nach Höngen zu Herrn Pfarrer Meising, worüber der Pastor sich sehr freute und stets gerne noch mit den Schmidter über die verlebten Tage in Schmidt plauderte.

Der 10. März 1920 brachte die Einführung des neuen Hirten Herren Pfarrer Theodor Wihelmann, vormals Kaplan an St. Maria Himmelfahrt in Stolberg. In feierlicher Prozession wurde der neue Pfarrherr am Foitscheidter Weg  abgeholt. Hier begrüßte ihn der hochwürdige Herr Dechant. Dann geleiteten alle den neuen Pfarrer in sein Gotteshaus, wo er sein Amt übernahm und seine Pfarrkinder begrüßte.

In der Nacht vom 14. zum 15. April 1920 wurde in die Schmidter Kirche ein Einbruch verübt. Die alte Sonnenmonstranz aus dem Jahre 1767 mit der Inschrift <Wilhelmus Klee, Pastor in Schmidt 1767> und zwei neue Ziborien wurden gestohlen. An deren Stelle lieferte August Wüsten in Köln eine kupferne, vergoldet-oxydierte gotische Monstranz.

Im Februar 1921 verbrachte der in Köln geweihte Neupriester, der hochwürdige Herr Josef Flink, einen kurzen Erholungsurlaub bei seiner in Schmidt als Lehrerin tätigen Schwester Fräulein Maria Flink. Herr Pastor Wichelmann ließ es sich nicht nehmen, in Verein mit den Schmidter dem jungen Neupriester herzliche Begrüßungsworte zu entbieten und die Feier seines ersten heiligen Messopfers in Schmidt besonders festlich zu gestalten.

Vom 5. bis 12. Februar 1922 wurde eine Volksmission abgehalten durch die hochwürdigen Herren Kapuzinerpatres P. Stanislaus, P. Wolfram und P.(?). die ganze Pfarre beteiligte sich zahlreich an allen religiösen Veranstaltungen.  

Am 20. Juli 1922 wurde in der Pfarrkirche das Sakrament der heiligen Firmung gespendet.  

Am 20. August 1922 feierte ein Sohn der Pfarre, der hochwürdige Herr P.Christian Falter aus der Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie in seiner Heimatkirche sein erstes feierliches Meßopfer, nachdem er am 13. August 1922 in Trier zum Neupriester geweiht worden war.

Das Jahr 1923 brachte die Erneuerung der heiligen Mission durch zwei hochwürdige Herren Patres aus derselben Genossenschaft der Kapuziner. Wiederum war die Beteiligung an allen Vorträgen sehr gut.

Im Jahre 1924 am 27. Oktober wurden von der Firma Petit und Gebr. Edelbrock, Gescher in Westfalen, drei  neue Glocken gegossen, die am1. Dezember 1924 im Festzuge von der Bahnstation Nideggen abgeholt, gekränzt und durch Herrn Pfarrer Wichelmann geweiht wurden. Die Paten waren Bürgermeister Rombach, Herr Franz Frings, der 2.Vorsitzende des Kirchenvorstndes und Herr Josef Hilgers, Landwirt in Eschauel. Die Glocken erhielten die Namen Hubertus, Maria und Michael& Johannes Baptista. Sie klingen in f, as und b.

Am 26. Juli 1927 starb der frühere Schmidter Pfarrer Msgr. Johann Hubert Schündelen im Alter von 81 Jahren. Geboren in Osterath, am 24. August 1869 zum Priester geweiht, war er 19 Jahre als Kaplan in Monschau, von 1888 bis 1904 Pfarrer in Schmidt.  Pfarrer von Buir 1913 bis 1923 war er Dechant des Dekanates Kerpen. Am 2. September 1924 wurde der zum päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Die ehemaligen Schmidter Pfarrkinder beten für die Seelenruhe ihres ehemaligen Hirten.

Das Jahr 1928 brachte der Pfarrgemeinde Schmidt drei frohe Ereignisse. Am 27. April 1928 feierte der Herr Rektor Josef Kurth unter allgemeiner Beteiligung sein 40jähriges Ortsjubiläum. Da er allseits im Dienste der katholischen Kirche tätig war, nahm auch die Pfarrgemeinde als solche herzlichen Anteil an diesem Ehrentage.

Im Juni desselben Jahres wurde in unserer Pfarrkirche das Sakrament der heiligen Firmung gespendet.

Am 6. August feierte ein Sohn der Pfarrer, der hochwürdige Herr Pater Martin Schönewald aus der Abtei Mariawald O.C.S.O. in unserer Kirche sein erstes feierliches heiliges Meßopfer, nachdem er am 6.August 1928 in Köln zum Priester geweiht worden war. Die ganze Pfarrgemeinde zeigte durch prachtvollen Blumenschmuck und regen Anteil an den gottesdienstlichen Veranstaltungen die enge Verbundenheit mit dem Neugeweihten.

Im März des Jahres 1930 schied der allseits beliebte Herr Rektor Josef Kurth aus seinem Schuldienste, nachdem er drei Generationen der Schmidter Bevölkerung an Geist und Charakter ausgebildet hatte.

Am 8. September 1931 besuchte der hochwürdige Herr Bischof Vogt seinen Geburtsort Schmidt und zeigte reges Interesse für die Pfarrkirche, Heiligenhäuser und Wegkreuze. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch sein Geburtshaus, die alte Knabenschule.

Am Tag darauf, am 9. September 1931, erlitt Fräulein Eva Weber, dielangjährige Lehrerin der Schmidter Mädchen, einen Schlaganfall, dessen Folge sie noch am nämlichen Tag erlag. Mit ihr schied eine fleißige, pflichtbewußte, echte katholische Lehrerin, die ganz im Dienst der weiblichen Dorfjugend aufging.

Das Jahr 1933 brachte unserer Gemeinde einige religiöse Veranstaltungen,die sich größtenteils reger Beteiligung seitens der Pfarrgemeinde erfreuten.   

Vom 30. März bis 16. April 1933 wurde eine Volksmission gehalten durch die hochwürdigen Herren Patres Schüller und Hoffmann aus der Gesellschaft Jesu.  

Im Juli wurde das Sakrament der heiligen Firmung durch den hochwürdigen Herren Bischof Vogt erteilt. Im Herbst desselben Jahres pilgerten viele Schmidter nach Trier, wo der heilige Rock verehrt wurde.  

Am 8. Dezember 1935 am Tage der Unbeflekten Empfängnis Mariä wurde das Frauenhilfswerk für Priesterberufe in Schmidt eingeführt, um die Zahl der Priester zu vermehren, die bei der sich allenthalben ausbreitenden Macht des Neuheidentums das christliche Volk im Entscheidungskampfe führen müssen.

Am 5. Oktober 1937 schied der all verehrte Oberhirt der Aachener Diözese,der hochwürdige Herr Bischof Dr. Josef Vogt aus diesem Leben. Schmidt ist stolz darauf, seiner geliebten Heimatdiözese den ersten Bischof geschenkt zu haben. Die Pfarre gedenkt seiner in liebender Dankbarkeit.  

Der Anfang des Jahres 1938 galt der Renovierung der hiesigen Pfarrkirche. Dem gewandelten Geschmack entsprechend, wurde größtes Gewicht auf die architektonische Wirkung der Flächen und Säulen gelegt. Farbenwurden nur in Strichform angewendet und nur zur Hervorhebung der Konturen verwendet. Die Flächen wurden in einem hellen Temporaton leicht gestrichen. Auf diese Weise traten nach der Renovierung die architektonischen Schönheiten des Raumes, die bis dahin unter einem Gewirr von Ranken und Blättern verborgen waren, klar hervor, besonders das feingliedrige Netzwerk der Chorsäulen und der Chordecke. Die Altäre zeigten nach der Renovierung ebenfalls das Bestreben der Renovatoren das Wesentliche hervorzuholen. Das Braundes Eichenholzes dominierte. Zur Betonung der wesentlichen Darstellungen wurde ein leichter. unaufdringlicher Goldton, sehrsparsam mit Gold vermischt, gewählt. So bot die Kirche nach der Beendigung der Renovierung das Bild einer schlichten, echten Eifelkirche, in der sich Echtheit des Materials mit künstlerischem Feingefühl gepaart hatten zur Ehre des Höchsten und zur Andachtsförderung der Gläubigen.

 So konnte im Juli 1938 der hochwürdige Herr Weihbischof Sträter, vonder ganzen Gemeinde aus herzlichste begrüßt, das Sakrament der heiligen Firmung spenden.

Der Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 rief sofort eine große Zahl Schmidter Pfarrangehöriger unter die Waffen. Ausländische Arbeiter, zuerst Polen, dann Russen kamen zu landwirtschaftlichen Arbeiten in unsere Pfarrgemeinde. Sie durften aber nicht am gottesdienstlichen Leben teilnehmen. Als die Fliegerangriffe auf die Städte ein immer größeres Ausmaß annahmen, kamen viele Frauen und Kinder aus Aachen und Köln nach Schmidt.

Am 14. und 15. Januar 1942 wurden auf Befehl der Reichsregierung die beiden großen Glocken Hubertus und Maria aus dem Turm geholt und am 17. März durch einen Lieferwagen abgeholt. Geblieben ist uns die kleinste Glocke Johannes.

Immer mehr griff das Kriegsgeschehen in unsere Gemeinde ein. Im Frühjahr 1942 äscherten Fliegerbomben mehrere Häuser in dem friedlichen Eifeldorf Schmidt ein. In der Nacht zum 16. April wurden im Unterdorf vier Häuser ein Opfer der Bomber, darunter das unter Heimatschutz stehende Strohdachhaus von Ww. Löhrer. Bei einem Bombenwurf in Harscheidt brannten dort drei weitere Häuser ab.

Bald wurden schon von vielen Gefangennahmen berichtet.

Am 19. Februar 1943 starb in seiner Heimatgemeinde Schmidt einer der treuesten Söhne, der hochwürdige Herr Ehrendechant Andreas Stollenwerk. Nach dem er viele Jahre seines priesterlichen Wirkens in Köln-Nippes zugebracht hatte, zog er nach seiner Versetzung in den Ruhestand in seine geliebte Eifelheimat. Leider war ihm nur eine kurze Ruhezeit hier vergönnt. Nun ruht er in der ihm so treuen Heimaterde im Schatten seiner Pfarrkirche.

Im Juli 1943 erteilte der hochwürdige Herr Weihbischof Hünermann aus Aachen das heilige Sakrament der Firmung in der Schmidter Kirche.  

Immer mehr hatte die Gemeinde unter Alarm und Bombenwürfen zu leiden, immer häufiger kamen Gefallenmeldungen.

Seit der Landung alliierten  Kräfte in der Normandie wurde die Lage noch ernster und die Sorge wuchs. Als die rückströmenden deutschen Soldaten durch unsere Gemeinde im Juli 1944 zogen, rüsteten schon Eifelbewohner, um mit Autos nach Mitteldeutschland in Evakuierunggeschickt zu werden. In der Nacht vom 15. zum 16. September 1944 erhielt unsere Gemeinde den ersten  Aribeschuß. Vom 24. September bis 2. Oktober 1944 wurde eine neuntägige Andacht zur Mutter Gottes und zum heiligen Hubertus gehalten, um Schutz für unser Dorf zu erflehen. Jeden Morgen erteilte Pastor Wichelmann allen Kirchenbesucher die Generalabsolution.

Am 6. Oktober erhielt unsere Pfarrkirche den ersten Arivolltreffer in das Dach an der Frauenseite. Der ständig wachsende Artilleriebeschuß machte nun einen Aufenthalt in Schmidt unmöglich.Die meisten Einwohner zogen unter ständiger Lebensgefahr in die rückwärts gelegenen Dörfer Heimbach und Vlatten. Die meisten Schmidter waren nach Vlatten geflohen. Von diesen Zufluchtsstätten wurden die Heimatlosen dann weiter zum Siegkreis gebracht und verblieben hier größtenteils bis Sommer 1945.

Am 16. Oktober 1944 wurde Walter Lutterbach auf dem Kartoffelfeld von einer Granate zerrissen und am 13. Oktober 1944 durch Herrn Pastor Wichelmann, den man von Hasenfeld geholt hatte, auf dem Friedhof in Schmidt beerdigt. Seit dem 13. Oktober 1944 war das Betreten unseres Ortes nur mit polizeilicher Genehmigung  gestattet. Am 15. Oktober 1944 wurden sieben Häuser in Kommerscheidt wieder in Brand geschossen. Die deutschen Soldaten bestahlen sämtliche deutsche Häuser. In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 1944 war derart starker Beschuß, daß die wenigen noch Verbliebenen eiligst flohen. Bei dieser Flucht wurde der 15jährigen Maria Frings eine Hand durch Granatsplitter abgerissen. Da keine Hilfe zur Stelle war, verblutete sie. Der eigene Vater Bernhard Frings beerdigte seine Tochter am Montag, dem 30. Oktober 1944. Am 2. November 1944 lag Schmidt besonders unter heftigem Feuer. Am 3. November 1944 besetzten die Amerikaner, die von Germeter und Vossenack vorstießen, zum ersten Mal unseren Ort. Am 4. November 1944 wurde Schmidt von den deutschen Truppen zurück erobert. Am 5. November 1944 erfolgte ein amerikanischer Fliegerangriff auf Schmidt, wodurch die noch unversehrten Häuser alle dem Erdboden gleich gemacht wurden.(Anmerkung:Dieser Angriff wird von einigen Schmidtern erwähnt, er kann auch tatsächlich stattgefunden haben. Die Wirkung war jedoch verhältnismäßig gering, da Schmidt ja weit verzweigt war. Mehrmals wurde Schmidt noch von Bombenflugzeugen angegriffen, ohne jedoch die für die Amerikaner gewünschten Erfolge zu erzielen, so daß man schließlich die Luftangriffe auf Schmidt aufgab. Nur Tiefflieger griffen aufbestimmte Ziele der Wehrmacht öfter an.)   

Am gleichen Tage hielt Herr Pastor Wichelmann, der bei den Patres in Haus Schönblick Zuflucht gefunden hatte, in Vlatten, wo die meisten Einwohner von Schmidt zusammen waren, ein feierliches Hochamt zu Ehren des heiligen Hubertus, dem Schmidter Schutzpatron. Wenn die Pfarrkirche von Schmidt auch bis dahin durch zwei Volltreffen arg beschädigt wurde, so stand sie doch noch, bis der Kirchturm am 6.Dezember 1944 von deutschen Truppen gesprengt wurde.

Am 16. November 1944 wurde die Stadt Düren durch einen 20 Minuten langen Luftangriff völlig zerstört, wobei auch einige Schmidter,die dort zum Einkaufen waren, tot blieben. Susanne Naas geb. Frings aus Kommerscheidt mit Kind, Fräulein Käthe Schleicher, die dort in Stellung war, die Klosterschwester Löhrer im Kolpinghaus und Frau Katharina Hoven geb. Stollenwerk aus Froitscheidt (Zubendchen).

Vom 7. bis zum 10. Februar 1945 dauerten die Kämpfe um Schmidt. Schließlich gelang es den Amerikanern nach harten Ringen und großen Verlusten Schmidt einzunehmen. Auch die deutschen Truppen erlitten hohe Verluste. Doch  nach aufopferungsvollem Kampf mußten sie den Amerikanern weichen. Diese hatten nun freien Zugang zum Rursee.  

Ende März kehrten die ersten Schmidter wieder in ihr zerstörtes Heimatdorf zurück. Sie fanden nur Trümmer, kein einziges unbeschädigtes oder leicht beschädigtes Haus. Sie holten aus den Wäldern Militärbaracken oder Baracken des Reichs-arbeitsdienstes und schlugen sie neben ihren ehemaligen Wohnstätten auf. Besonders schwierig war die Brotbeschaffung. Dieses mußte aus Monschau herbeigeschafft werden. Was die Leute nicht mitgenommen hatten, war restlos gestohlen. Sämtliche Keller und Verstecke waren aufgebrochen und die Sachen entwendet. So standen die armen Heimgekehrten ohne Arbeitsgeräte, ohne landwirtschaftliche Maschinen, ohne Saatgut und fast ohne Vieh. Ein schwieriger Anfang! Und doch kamen von Tag zu Tag mehr Schmidter zurück  aus dem Siegkreis, aus Westfalen, Thüringen, Hessen, Hannover, aus Schlesien und Oberbayern. Überall in Wald und Feld lauerte der Minentod. Manche Felder und Wiesen konnten nur mit Lebensgefahr betreten werden, da sie voller Minen lagen.Und doch gaben sich die Heimgekehrten mutig an die Feldbestellung heran. Durch den Vertrauensmann August Lennartz kam Saatgut in die Gemeinde und der Bürgermeister Bernhard Frings sorgte für Lebensmittel und Bekleidung. Schlimm stand es um die seelsorgliche Betreuung. Der hochwürdige Herr Pfarrer Wichelmann konnte wegen seines hohen Alters nicht nach Schmidt zurückkehren. Er hatte ja auch kein Obdach mehr in Schmidt. Die Leute mußten ja auch sonntags nach Strauch zur heiligen Messe gehen, wo im Schulsaale Gottesdienst gehalten wurde. Nach einigen Wochen konnte dann der Wirtschftsraum im Schützenhof in Schmidt für die Abhaltung des Gottesdienstes zur Verfügung gestellt werden. Die große gotische Monstranz und anderen wertvollen gottesdienstlichen Geräte und kirchlichen Gewänder hatte ein amerikanischer Geistlicher aus Schmidt nach Roetgen in Sicherheit gebracht. Die kleine Monstranz hat Schmidt der Nachbargemeinde Steckenborn geliehen. Nach Rückführung der in Roetgen sichergestellten Geräte und Gewänder konnte nun in Schmidt sonntags eine heilige Messe durch den hochwürdigen Herrn Kaplan in Simmerath gefeiert werden.   

Am 30. Mai 1945 erhielt unsere Gemeinde einen eigenen Seelsorger, den hochwürdigen Herrn Kaplan Wilhelm Jordan, der sich freiwillig in unser Trümmerfeld meldete. Am nächsten Tage veranstaltete er schon eine Fronleichnamsprozession, die vom Schützenhof aus nach Froitscheidt, Harscheidt, ins Unterdorf, herauf zum Oberdorf führte. Auch zog in der Oktav von Maria Heimsuchung die Prozession wie in früheren Jahren nach Heimbach zur Schmerzhaften Mutter Gottes. Über 400 Personen beteiligten sich an der Wallfahrt. Vom 12. August an wurden jeden Sonntagnachmittag die zahlreichen in und um Schmidt herum liegenden Kriegsgräber eingesegnet. In einer Prozession zog die ganze Gemeinde zu den Kreuzen hin.  

Im Juli wurde mit Errichtung einer Holz-Notkirche auf dem Kirchengrundstück an der Großen Gasse begonnen. Der hochwürdige Herr Jordan hat eine Holzbaracke zu sehr billigen Preisen erstanden, die vormals als Turnhalle gedient hatte. Diese soll nun für die nächsten Jahre dem Gottesdienst dienen. Der Schützenhofsaal war inzwischen so klein geworden, daß der Sonntagsdienst im Freien abgehalten werden mußte. Der Gottesdienst fand an der Stelle statt, wo früher das Heiligenhäuschen im Oberdorf stand. Die kleine nicht abgelieferte Glocke, Michael, Johannes Baptista, die wie durch ein Wunder trotz Kirchturmsprengung unversehrt geblieben war, wurde neben dem Feldaltare aufgehängt und als Aveglocke und zum Zusammenläuten benutzt. Im Laufe des Sommers wurde die Notkirche aufgestellt und am 7. Oktober 1945 durch den hochwürdigen Herrn Weihbischof  Hünermannvon Aachen eingeweiht. Der Altar besteht aus einer Mensa aus Fichtenholz mit aufgesetztem Tabernakel. Dahinter ragt ein hohes Fichtenholz mit einem Korpus, der vom Harscheidter Heiligenhäuschen stammt. Für die rechts des Chores befindliche Taufkapelle erwarb Herr Kaplan Jordan von Fräulein Lauscher aus Roetgen   eine Kopie der Madonna aus dem Kölner Dombild von Stephan Lochner. Auch beschaffte er Statuen des heiligen Chrisantus, der heiligen Daria, der heiligen Familie und der Königin des Rosenkranzes.  

Am 19. November 1945 trat Schwester Elisabeth Kronenberg von der Berufsgemeinschaft katholischer Seelsorgehelferinnen in den Dienst der Schmidter Bevölkerung. Sie erteilte Religionsunterricht, schmückte das Gotteshaus, arbeitete in den Mädchengruppen und sorgte für die Armen und Kranken. Ihre heitere Art, große Selbstlosigkeit und wahre Nächstenliebe machten sie bald zu einem wahren Segen für die Gemeinde.  

Mitte Februar 1946 folgte Kaplan Jordan dem Rufe seinen Bischofes. Nach 3/4jähriger entsagungsvoller und aufopfernder Tätigkeit, verließ er Schmidt, dem er die Kirche geschaffen und die Grundlagen zu einem geregelten Gemeindeleben gegeben hatte. Er bekam eine neue Stelle in Burscheid bei Opladen.  

Ihm folgte in der Verwaltung der Schmidter Pfarre der hochwürdige Herr Pater Karl Junge S.V. D. am 25. März 1946. Er vervollständigte die von seinem Vorgänger begonnene Arbeiten an der Kirche, legte eine Decke ein, ließ die Außenwände durch Steine abdichten und legte die Orgelbühne höher.

Die Bevölkerung hatte inzwischen manchen der Heimgekehrten als Todesopfer durch Minen zu beklagen. Bei den Aufräumungsarbeiten an der neuen Schule verunglückten durch Geschoßexplosion vier Arbeiter darunter einer, Heinrich Stollenwerk aus Schmidt, tödlich.

Am 21. Januar 1946 begann nach bald 1 3/4jähriger Unterbrechung der Schulunterricht für die Kinder des 3. bis 8. Schuljahres im Wirtsraum des Schützenhofes unter der Leitung von Fräulein Dr.Lüttgenau. Mitte Februar wurde auch die  Wirtschaft Nießen in Harscheidt für Unterrichtszwecke in Gebrauch genommen. Hier unterrichtete die Schulhelferin Fräulein Fober. So konnte 189 Kindern Unterricht erteilt werden. Die Arbeit wurde durch das Fehlen fast aller Lehr- und Lernmittel und durch den gewaltigen Unterrichtsaufall der Kinder sehr erschwert. Eltern und Kinder erfreuten sich jedoch sehr, daß nun wieder im katholischen Geiste gearbeitet wurde.

Am 2. Juli 1946 feierte der frühere Pfarrer, der hochwürdige Herr Pfarrer Meising in Höngen sein goldenes Priesterjubiläum. Der derzeitige Pfarrverwalter, Herr Pater Junge, grüßte herzlich im Namen der Pfarrgemeinde Schmidt und wünschte dem Goldjubilar Gottes Segen für weiteres Wirken.